Ein Referat in
Anlehnung an das gleichnamige Buch von Eugen Biser
erschienen 1982
im Otto Müller Verlag, Salzburg
ISBN: 3-70
13-0647-8
Nietzsches provokative Kritik des
Christentums
Nietzsches Lebensbild:
* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen
(Provinz Sachsen), U
25. August 1900 in Weimar
Sein Vater (Carl Ludwig Nietzsche) war
Pfarrer, starb aber bereits am 30. Juli 1849, Nietzsche wuchs von da an
unter seiner Mutter auf. Seine Schwester Elisabeth wurde 1846 geboren,
sodaß Nietzsche in einem hauptsächlich von Frauen geprägten Haushalt
aufwuchs (was evtl. auch später seine besondere Einstellung gegenüber
Frauen beeinflußt hat)
1864 begann der das Studium der
Altphilologie in Bonn, folgte aber 1865 seinem Lehrer Friedrich Wilhelm
Ritschl nach Leipzig (seine Familie hatte ein Theologiestudium für
Nietzsche vorgesehen wofür er sich aber nicht interessierte)
Nietzsche entdeckte dort die Philosophie
Schopenhauers, die ihn maßgeblich beeinflußte. Nietzsche war auch
musikalisch hoch begabt und war von den Werken Wagners fasziniert.
Im Herbst 1867 begann er seinen
Militärdienst, zu dem er sich in der allgemeinen Euphorie Ende der 60er
Jahre freiwillig gemeldet hatte. Ein Reitunfall beendete jedoch seinen
einjährigen Militärdienst.
Februar 1869 wurde er von seinem Lehrer
Friedrich Wilhelm Ritschl zu einer außerordentlichen Professur nach Basel
berufen, die er bis 1879 gewissenhaft aber nicht allzu erfolgreich vertrat.
Wegen immer stärker werdenden gesundheitlichen Leiden mußte er seine
Professur aufgeben.
In dieser Zeit brachte er viele Bücher mit
hauptsächlich zeit- und kulturkritischem Inhalt heraus, womit er allerdings
kaum größere Aufmerksamkeit erreichen konnte. Mit seinem Erstlingswerk
"Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" (1872) erwarb
er zwar die Anerkennung Richard Wagners, den er nach wie vor verehrte,
wissenschaftlich aber erlangte das Werk kein großes Ansehen. Den Höhepunkt
dieser Phase bildeten die "Unzeitgemäßen Betrachtungen" [mit
folgenden Titeln im Einzelnen: "David Strauß, der Bekenner und der
Schriftsteller" (1873), "Schopenhauer als Erzieher" (1874),
"Richard Wagner in Bayreuth" (1875)] sowie "Menschliches,
Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister" (erster Teil 1876-78).
Er versuchte außerdem eine Freundschaft zu
Richard Wagner aufzubauen, wurde aber menschlich stark von diesem
enttäuscht. Stattdessen bildete sich eine Freundschaft mit Franz Overbeck
heraus, der den analytischen Scharfsinn in Nietzsches Werken bewunderte und
auch nach dessen Tod noch die Verbreitung und richtige Deutung seiner Werke
förderte.
1882 begegnete er Lou Salome, die er
zunächst als "Engel" bezeichnete, sich dann aber später von ihr
abwandte. Freunde sagten über ihn, dass er in dieser Zeit sehr verzweifelt
wirkte. Er war verzweifelt, weil er seinen Lehrstuhl aufgeben musste, weil
ihn Richard Wagner als Freund enttäuscht hatte und weil er in Lou Salome
nicht die Liebe seines Lebens gefunden hatte. Ende 1882 trug er sich sogar
mit Selbstmordgedanken und er entwickelte ein gespaltenes Verhältnis zu
Frauen (der Ausspruch "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche
nicht!" stammt aus dieser Zeit)
Von dieser Zeit begann Nietzsche seine
Kritik gegen das Christentum mit ungeahnter Vehemenz vorzutragen. 1883-85
entstand eines seiner wichtigsten Werk "Zarathrustra", in dem er
sich selbst als Propheten einer neuen Lehre, die sich auf den Tod Gottes
begründete, sah. Von da an entwickelte Nietzsche eine ungeahnte
schriftstellerische Produktivität, verzweifelte aber mehr und mehr über sein
Leben.
Nietzsche verfiel immer mehr dem Wahnsinn
und vereinsamte, weshalb einige seiner Werke aus der Zeit von 1886-88 erst
später veröffentlicht wurden, z.B. "Jenseits von Gut und Böse"
(1886), "Götzen-Dämmerung, oder: Wie man mit dem Hammer
philosophiert" (1888), einige Haßschriften gegen Wagner, "Ecce
homo" (1908) - eine Art Autobiographie, in der er sich selbst als den
bedeutendsten Kritiker einer "gewaltigen Krisis, wie es keine auf Erden
gab" bezeichnet, "Der Wille zur Macht" (1901) sowie sein
schärfster Angriff auf das Christentum "Der Antichrist. Fluch auf das
Christentum." (1895).
Nietzsche brach im Januar 1889 in Venedig
auf offener Straße zusammen. Sein Freund Overbeck bewahrte ihn vor einer
Einlieferung in eine italienische Irrenklinik und brachte ihn zur Behandlung
nach Basel. Den Rest seines Labens (fast 12 Jahre noch) verbrachte Nietzsche
in geistiger Umnachtung in einer Anstalt in Jena und schließlich bei seiner
Mutter und seiner Schwester.